Die barocke Neustädter Hof- und Stadtkirche ist eine Kirche der frühen Aufklärung. Ihre Gründung im Jahr 1670 ist eng mit der Entfaltung des welfischen Herzogshofes in Hannover verknüpft. Wer in die Kirche eintritt, wird eingenommen vom hereinflutenden Licht, dem Symbol und Prinzip der Aufklärung. Für uns ist es ein Ausdruck des Vertrauens, dass das Rätsel der menschlichen Existenz durch das Licht des Glaubens erhellt wird und das unruhige Herz zur Ruhe findet.
Die Kirche beherbergt das Grab des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716), der als Bibliothekar, Jurist, Erfinder und Historiograph am welfischen Hof wirkte. Sein geistiges Erbe halten wir mit den jährlich stattfindenden Leibniz-Festtagen lebendig. Leibniz hat in seinem Denken die selbständige Vernunft des Menschen mit den seelischen Kräften des Glaubens zusammengedacht. Nach seiner Auffassung ergibt sich daraus eine Gottesklugheit, aus der wir in einer der Welt zugewandten Frömmigkeit unser Leben und unsere Zukunft mit dem Ziel der Vervollkommnung in die eigenen Hände nehmen und gestalten können.
Die 2008 gegründete Gottesdienstreihe „Bach um Fünf“, die musikalisch- literarische Abendgottesdienstreihe, die Konzerte der Kantorei St. Johannis, die Leibniz-Festtage, die Veranstaltungen der Stadtakademie an der Neustädter Hof- und Stadtkirche sind Projekte, die in diesem Geist geschaffen wurden. Die Kooperation mit dem Forum Agostino Steffani, dem Kammerchor Hannover und dem Bläserkreis Hannover gehören dazu.
Die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis gehört zum Stadtkirchenverband Hannover, sie ist eine Citykirche und die Predigtkirche der Regionalbischöfin. Mit der Barockorgel und der Spanischen Orgel stehen wir in Kooperation mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH).
Nachdem Herzog Georg von Calenberg Hannover 1636 zu seiner Residenzstadt gewählt hatte, wurde die Calenberger Neustadt zum höfischen Viertel. 1665 übernahm der zum Katholizismus konvertierte Herzog Johann Friedrich von Braunschweig Lüneburg die Regierung. Er widmete sich mit großem Gestaltungsanspruch der Entfaltung der Residenz im europäischen Glanz. Er holte begabte Personen von internationalem Rang an seinen Hof und bot Gottfried Wilhelm Leibniz eine Stelle als Hofbibliothekar, die er aus Paris kommend 1676 antrat. Da die Hofkapelle des Leineschlosses für den katholischen Ritus umgestaltet worden war, stand sie für protestantische Gottesdienste für die Angehörigen des Hofes nicht zur Verfügung. Die landständische Vertretung setzte einen Kirchenneubau in der Calenberger Neustadtdurch. So wurde mit finanzieller Hilfe des Landesherrn von 1666 – 1670 die Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis erbaut.
Über dem Haupteingang steht noch heute das Wappen der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft. Sie war die Begräbnisstätte der Hofbeamten und der dem Welfenhof zugehörigen Adelsfamilien bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Bis 1918 war sie die Kirche des Generalsuperintendenten, des obersten Theologen des Landes. Dieser Tradition folgend ist sie heute die Predigtkirche der Landessuperintendentur.
Das landesherrliche Patronat wurde 1858 an die Stadt Hannover übertragen und wird bis heute wahrgenommen.
Die Kirche wurde im zweiten Weltkrieg stark zerstört, in den Jahren 1956 – 1958 jedoch wieder aufgebaut. Die Renovierung von 1992 – 1994 gab dem Inneren der Kirche die heutige Gestalt.

