Katastophenschutz-Leuchttürmen (KatLeuchttürme) kommen in diesem Szenario eine besonders wichtige Rolle zu: Sie sind öffentliche Gebäude, etwa Schulen oder Bürogebäude des öffentlichen Dienstes, die auch bei langfristigem Blackout mit Strom versorgt bleiben. Als leuchtende Inseln im Dunkeln lassen sie die Menschen hoffen, dass es dort Wasser, Wärme und Hilfe gibt. Seit Jahren beschäftigt sich eine Gruppe aus Forschern, Katastrophenschützern und Experten aus der Wirtschaft mit der Frage, wie der Staat sich am besten auf dieses Szenaro vorbereiten kann, was den Bürgern hilft und wie diese Anlaufstellen ausgestattet und vernetzt sein sollten. Gefördert vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat die KomRe AG im Rahmen des Programms „Forschung für die zivile Sicherheit – Sicherheitsökonomie und Sicherheitsarchitektur“ drei Jahre am Projekt KatLeuchttürme geforscht und mitentwickelt.
Sicherheit durch ausfallgeschützte Kommunikation
Das KomRe-Netz ist ein von externen Providern und deren Infrastruktur unabhängiges Kommunikationssystem, dessen wesentliches Merkmal die zwingend vorhandene Notstromversorgung aller Komponenten ist, um auch in Krisenzeiten stets verfügbar zu sein (die Kraftstoffversorgung wird etwa über das TankNotStrom-System sicher gestellt). Ein Großteil der im Katastrophenfall notwendigen Kommunikation wie die Disposition von Rettungswagen oder Alarmierung von Einsatzkräften kann über das KomRe-Netz abgebildet werden. Es wurde unter Mitwirkung der Berliner Feuerwehr und der Charité entwickelt, um Kat-Schutz-Organisationen und KRITIS ein ausfallgeschütztes Kommunikationssystem zu bieten. Das KomRe-Netz umfasst folgende Rahmenparameter:
Das KomRe-Netz nutzt verschiedene Übertragungstechniken: Neben Punkt-zu-Punkt Verbindungen sind das verschiedene Sprach- und Datenfunksysteme wie z.B. Glasfaser oder Kupferkabel, WLAN-Richtfunk, digitaler Betriebsfunk oder Datenfunk. Das Funksystem ist sowohl in urbanen wie auch in ländlichen Regionen einsetzbar. Festinstallationen, transportable Lösungen und Einbauten in Fahrzeuge sind möglich; die Reichweite zwischen Feststationen beträgt 20-40 km.
Schadensreduzierung durch vorbereitende Sicherheitsmaßnahmen
Jede Kommune und jede Katastrophenschutz-Organisation steht aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingungen bei einem Blackout vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen und potentiellen Schäden: Die Menge vorhandener Notstromaggregate, die kritische Infrastruktur, urbanes Umfeld versus ländliches Umfeld – das alles sind nur einige Beispiele, die deutlich machen, dass es kein einheitliches Versorgungs- und Sicherheitskonzept für Blackout geben kann. Deshalb entwickelt KomRe gemeinsam mit den Verantwortlichen von BOS und kritischen Infrastrukturen im Sinne einer Machbarkeitsstudie zunächst eine individuelle Defizit- (Soll-Ist-Vergleich) und Risiko-Analyse zur Aufrechterhaltung der Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit von BOS und KRITIS. Die einschlägigen Richtlinien und Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz & Katastrophenhilfe (BBK) sowie des Bundesministeriums des Innern (BMI) definieren dabei einerseits die Rechte und Pflichten aller Beteiligten, liefern jedoch gleichzeitig auch die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung der entwickelten Konzepte.
In einem zweiten Schritt aggregiert KomRe die Informationen der Machbarkeitsstudie mit vorhandenen konzeptionellen Überlegungen zum Vorgehen von Katastrophenschutz-Organsationen und Erkenntnisse über die in der jeweiligen Region wahrscheinlich eintretenden verketteten Kaskadeneffekte zu einem sogenannten „Sonderschutzplan Blackout“. Vorgaben zu internen Abläufen aus bestehenden Schutzplänen unserer Kunden werden schließlich mit gewonnenen Erkenntnissen über Stromausfälle/Blackouts zu konkreten Handlungsempfehlungen für die Verantwortlichen des Katastrophenschutzes vereint und im Rahmen von Workshops allen zuständigen Katastrophenschutzmitarbeitern zugängig gemacht.